Letzte Wünsche wagen

Glück auf in der „Pütt“! Peiner nimmt in der Zeche Zollern Abschied

Die „Zeche Zollern“ im Nordwesten von Dortmund – für viele Besucher „nur" ein Zeugnis des entbehrungsreichen Steinkohle-Abbaus im Ruhgebiet. Für Wünschewagen-Fahrgast Helmut Woyth aus Peine ist die ehemalige Schachtanlage viel, viel mehr: Es ist seine Vergangenheit. Sein ganzer Stolz. Sein Lebenswerk. Dank des ASB-Herzensprojektes hat der schwerkranke 84-Jährige nun noch einmal Abschied nehmen können von „seinem“ Bergwerk.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann für Helmut Woyth hier in der „Pütt“, wie das Kohlerevier liebevoll genannt wird, die Ausbildung zum „Berglehrling“. Angetan mit Grubenhemd, Helm und Lampe zog der Teenager unter Tage, baute die begehrte Kohle ab. Er wohnte im Lehrlingsheim, konnte sich zum ersten Mal richtig satt essen, besuchte als Zuschauer Boxkämpfe, fand unter den Kumpeln viele Freunde. „Herrenjahre“ waren die Lehrjahre trotzdem nicht – doch der gebürtige Peiner war glücklich.

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Auch nachdem die Zeche dicht gemacht wurde, fühlte sich Woyth seiner alten Arbeitsstätte tief verbunden. Über all die Jahre hielt er engen Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen. Und als das Bergwerk schließlich zum Museum umgebaut wurde, kam er viele Male mit der Familie nach Dortmund, zeigte ihnen alles ganz genau. Ein bösartiger Gehirntumor machte den privaten Führungen des Rentners ein jähes Ende – denn der lähmt inzwischen die ganze linke Körperseite, zwingt Woyth in den Rollstuhl. Geblieben ist die Sehnsucht nach der Pütt.

Historisches Bild mit Helmuth Woyth.jpg

Von der berichtete er auch seiner ambulanten Pflegekraft vom ASB Peine. Und die machte die Familie des Bergmanns vom Wünschewagen und der Möglichkeit eines „Abschiedsbesuchs“ der Zeche mit dem Spezialfahrzeug aufmerksam. Kurzerhand wurde der ehemalige Kumpel dank der tatkräftigen Unterstützung der beiden ehrenamtlichen Wunscherfüller Alexander Hermes und Jean-Pierre Brosy zum Reisenden, besuchte zusammen mit seinen Lieben noch ein letztes Mal das prächtige Industriedenkmal. Dort führten zwei versierte Museumsführer die besondere Reisegruppe unter anderem durch die Maschinenhalle, die ehemalige Waschkaue und die Schachthalle. Dabei machte Wünschewagen-Fahrgast Helmut Woyth eine ganz besondere Entdeckung: Auf zwei Fotos der Dauerausstellungen ist er nämlich selbst zu sehen. Sie zeigen ihn als jungen Bergmann während seiner Ausbildungszeit.

Maschinenhalle.jpg

Für den Krebspatienten und seine Lieben ein echter Höhepunkt der Abschiedsreise. Nach einem erlebnisreichen Tag und einer abschließenden Stippvisite im Westfalenpark konnte unser Fahrgast müde, aber angefüllt mit vielen aufgefrischten Erinnerungen und schönen neuen Erlebnissen die Reise zurück nach Peine antreten. Glück auf!

Wir bedanken uns herzlich bei den Mitarbeitern des LWL Industriemuseums Zeche Zollern, bei unseren Wunscherfüllern und den ASB-Kollegen aus Peine, die diese Wunscherfüllung erst möglich gemacht haben.

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